Empfehlung 09/10-4
Sprachverständlichkeit in Klassenräumen

 
 
 

Einleitung

Die akustischen Bedingungen im Klassenraum müssen eine gute Sprachverständlichkeit ermöglichen. Das Wort des Lehrers sollte klar und deutlich beim Schüler ankommen und umgekehrt.

Es gibt zwei akustische Einflüsse, die die Sprachübertragung im Klassenraum beeinflussen: Hintergrundgeräusche und Schallreflektionen an den inneren Oberflächen des Klassenraumes (Nachhall). Diese beiden Einflussfaktoren vermindern die Sprachverständlichkeit.

Um ein Optimum an Sprachverständlichkeit im Klassenraum zu erzielen, bedarf es einer Kontrolle des Geräuschpegels und der Nachhallzeit.

Der Geräuschpegel im Raum sollte folgende Werte nicht überschreiten (in Abhängigkeit von der Aufgabe des Raumes):
 
Raumtyp Geräuschpegel in dBA
Klassenraum 40
Allgemeiner Raum 50 
Ruhiger Raum, z. B. für Babys 35

 

Schallisolierung

Um o. g. Geräuschpegel im Raum zu erzielen, bedarf es einer Schallisolierung des Raumes unter Berücksichtigung des äußeren akustischen Umfeldes (z. B. wenn sich das Gebäude in der Nähe einer Autobahn, Eisenbahn oder eines Flughafens befindet). Das Ausmaß der Schallisolierung muss darüber hinaus die Verwendung umliegender Räume bzw. weitere Geräuschquellen im Haus berücksichtigen, z. B. Korridore, Treppenhäuser usw.

In Tabelle 1 finden Sie die empfohlenen Werte für die Schallisolierung der Außenwände und Decken unterschiedlicher Schulraum/Nachbarraum-Kombinationen:
 
Trennwände/Decken/Fußböden Akustische Isolierung, dBA
Klassenraum/sehr geräuschvolle äußere Umgebung (<80 dBA)
49
Klassenraum/geräuschvolle äußere Umgebung
44
Klassenraum/wenig geräuschvolle äußere Umgebung (~70 dBA)
39
Klassenraum/ruhige äußere Umgebung (~ 65 dBA)
34
Klassenraum/anderer Klassenraum
44
Klassenraum/Korridor
39
Klassenraum/Treppenhaus
44
Klassenraum/Geräteraum
56
Ruhiger Raum/Babyraum
56

 

Nachhallzeit

Die Nachhallzeit eines Klassenraums kann positiv beeinflusst werden durch das Anbringen schallabsorbierenden Materials im Raum und ist abhängig von der Form des Klassenraumes.

Allgemein akzeptierte Werte für die Nachhallzeit T in einem leeren Klassenraum normaler Größe (200 – 1.000 m3) ist 0,4 s für den Frequenz von 500 – 1.000 Hz. Die optimale Nachhallzeit für eine gute Sprachverständlichkeit als Funktion des Raumvolumens ist dargestellt in Abbildung 1 als Werte der Nachhallzeit in Sekunden gegenüber dem Volumen des Raumes in Kubikmetern.



Abb. 1: Optimale Nachhallzeit gegen Volumen des Klassenraums (Mittelwerte für die Frequenzen zwischen 500 – 1.000 Hz)


Empfehlungen für Lehrer

Lehrer sollten mit einer ausreichenden Lautstärke und gut artikuliert sprechen.

In einigen Fällen wird es notwendig sein, Verstärkersysteme mit Lautsprechern einzusetzen, um ein notwendiges Signal-Geräusch-Verhältnis bzw. ein Sprach-Hintergrund-Verhältnis von mehr als 15 dB zu erreichen.

An dieser Stelle sollte auch betont werden, dass gute akustische Bedingungen im Klassenraum dazu beitragen, dass der Lehrer seine Stimme nicht übermäßig belasten muß, um verstanden zu werden, und auch die Schüler weniger abgelenkt dem Unterricht folgen können.

Darüber hinaus sollten auch die Schüler angeleitet werden, auf den Geräuschpegel im Klassenraum zu achten, so dass sie weniger Geräusche produzieren, die die Klassenkameraden und den Unterricht stören können.
 
 

Allgemeine Empfehlungen

Mit besonderer Sorgfalt sollte auch das Mobiliar und die Geräteausstattung im Hinblick auf eine Reduzierung des Gesamtgeräuschpegels ausgewählt werden, z. B. sollten die Beine der Tische und Stühle mit einer Filzauflage versehen sein und Dia- und Overheadprojektoren sowie eine Klimaanlage so leise wie möglich sein usw.
 
 


Referenzen

Noise in schools World Health Organization. Regional Office for Europe. August 2000

Noise and health World Health Organization. Regional Office for Europe. March 2000

Community Noise B. Berglund and T. Lindvall, Herausgeber

Archives oft the Center for Sensory Research, vol.2. Issue 1, 1995

Stockholm University and Karolinska Institute