Biap - Empfehlung 20/2

Überprüfung der Sprache

Vorwort

Vor der Vielzahl der Sprachtests und ihrer zunehmenden spezifischen Eigenart stehen die in der Sprachtherapie tätigen Personen vor dem Problem der Analyse nach der Zielgruppe und der Schwierigkeit, eine Synthese vorzunehmen, die möglichst genau die vorliegenden Schwierigkeiten beim Kind wiedergibt.

Diese Synthese ist für die Planung der Behandlung unumgänglich.

Das biap hat eine Empfehlung erstellt, um:

1) dem Praktiker bei der Wahl eines Tests Hilfestellung zu geben durch eine bessere Kenntnis über den Inhalt und die Grenzen des Tests (siehe Anhang: Register)
2) den kompletten Sprachbestand zu beschreiben
3) eine unbedingt notwendige multidisziplinäre Zusammenarbeit zu bewirken
4) die zusätzlichen Untersuchungen genauer zu beschreiben
5) eine bessere umfassende Versorgung des Kindes zu begünstigen

Wozu eine Sprachuntersuchung durchführen?

Die Modalitäten und die Inhalte dieser Untersuchung lassen folgende Unterscheidung zu:

- ein diagnostisches Programm
- ein anschließendes Rehabilitationsprogramm
- das Ergebnis der Rehabilitation

Während der Durchführung der Ermittlung des Sprachentwicklungsstandes ist, um die evtl. Grunddefizite der vorliegenden Schwierigkeiten zu erforschen, ein Minimum an Untersuchungen notwendig:

1. räumliches Sehen
2. auditiv: Diskrimmination und Integration
3. Anwendung
4. Hör-Sprach-Gedächtnis
5. visuelles Gedächtnis
6. rechnerisches Denken

Diesen werden die exakten logopädischen Beobachtungen unter den Aspekten der Intelligenz, des Beziehungsverhaltens und der Psychomotorik hinzugefügt.

Die Ergebnisse müssen in Beziehung gesetzt werden, um eine allgemeine Zusammenfassung zu erhalten und einen Therapieplan zu erstellen.

Während der Ermittlung der Sprachentwicklung (Erst- oder Folgediagnostik) kann der Sprachtherapeut zu seinen Beobachtungen und/oder Hypothesen zusätzliche Untersuchungen hinzuziehen:

HNO- und augenärztliche Untersuchungen
neuropädiatrische Untersuchungen
psychologische Untersuchungen
psychomotorische Untersuchungen
Zahn-Mund-Kiefer-Untersuchungen
radiologische Untersuchungen

Dieses umfassende Vorgehen erfordert die Zugänglichkeit zu Berichten anderer Fachrichtungen und die Möglichkeit des Austausches, eine Öffnung nach anderen Disziplinen und die Bereitschaft zum Dialog mit den unterschiedlichen Behandlern und mit den Pädagogen. Es soll damit ein umfassendes Verständnis der Schwierigkeiten des Kindes erreicht werden mit dem Ziel einer effektiveren Therapie.
 
 

Nivelles (B), Mai 1999