Biap - Empfehlung 20/1

Sprache



Die Empfehlung 20/1 hat sich die Analyse von Tests und Überprüfungen zur linguistischen Bewertung zum Ziel gesetzt. Sie will damit eine möglichst genaue Beschreibung der Sprache und des Sprechens erreichen.



Bei der Komplexität der psycholinguistischen Situation und der individuellen Variationsbreite (entwicklungsmäßig, kulturell, sozial) im Spracherwerb, müssen die Überprüfungen erlauben, die Kommunikation (laut- und schriftsprachlich) zu erforschen:



- nach qualitativen Gesichtspunkten: -Interaktion

-Pragmatik



- nach quantitativen Gesichtspunkten: - Artikulation

- buco-faciale Bewegungen



- Beobachtung des sprachlichen Ausdrucks: - suprasegmentale Faktoren

- Stimme



- linguistische Elemente: - Phonologie

- Morphologie

Ausdruck und Verständnis: - Semantik

- Lexik

- Syntax



- die kognitiven Bedingungen des Spracherwerbs: - Gedächtnis

- Kategorisieren

- Überlegung

- Logik



-graphische Form: - Lesen

- Schreiben



Die Analyse der erhaltenen Elemente führen:



- zum Erwerb der Hypothesen zu den Schwierigkeiten, Verzögerungen und Problemen der

Sprache und des Sprechens,

- zur Erstellung eines Therapieplanes oder zur Sichtung zusätzlicher Untersuchungen,



Diese Erforschung ist prozeßorientiert und bedarf einer dauernden Verifizierung.



Definitionen



Qualitative Aspekte

1.Interaktion

-unter funktionellen Gesichtspunkten
Die gegenseitige Verhaltensbeeinflussung (verbal oder nonverbal) in interpersonellen Beziehungen

-unter linguistischen Gesichtspunkten
Es ist ein interaktionales Modell der Sprachaufnahme.
Mit Beginn der Wahrnehmung eines Satzes werden gleichzeitig alle Sprachebenen wirksam
(phonologisch, lexikalisch, syntaktisch, semantisch) und diese verschiedenen Ebenen sind
interaktiv, d.h. daß jede betroffen ist, nicht nur unmittelbar auf den unteren, sondern auch
auf den höheren Ebenen.

2. Pragmatik

Die Organisation und die Regulierung des Gebrauches der Rede.
Der pragmatische Aspekt der Sprache meint die Bedingungen ihrer Anwendung:
- die psychologischen Motivationen der Sprecher, die Reaktionen der Gesprächspartner,
die sozialen Merkmale der Rede...

Quantitative Aspekte

1. Die Beobachtung des sprachlichen Ausdrucks

1-1 Artikulation
Die Gesamtheit der sprechmotorischen Aktivitäten und der Phonemrealisation

1-2 Buco-faciale Motorik
Motorik (beabsichtigt oder nicht) der peripheren Sprechorgane

1-3 Supra-segmentalen Faktoren
Ein supra-segmentales oder prosodisches Merkmal ist ein phonetisches Merkmal,
welches ein Segment darstellt, das länger als ein Phonem ist: Akzent, Betonung,
Dauer, Rhythmus.

1-4 Stimme
Stärke
Höhe
Klang
Dauer

2. Linguistische Elemente des Sprachausdruckes und des Sprachverständnisses

2-1 Phonologie
Die Wissenschaft, die den Sprachklang erforscht unter dem Gesichtspunkt ihrer Funktion
im Kommunikationssystem.


2-2 Morphologie
Die Beschreibung von Regeln, welche die innere Struktur von Wörtern festlegen
(Bildungs- und Flexionsregeln der Wörter).

2-3 Semantik
Der Wissenschaftsbereich, der sich mit den Bedeutungen befaßt (Laute, Sätze, Wörter).

2-4 Lexik
Studium der Wörter

2-5 Syntax
Die Beschreibung der Regeln, durch welche sich die Bedeutungseinheiten zu Sätzen bilden.

3. Kognitive Bedingungen zum Spracherwerb

3-1 Gedächtnis
Die Fähigkeit, Informationen aufzubauen, zu behalten und wiederzugeben.

3-2 Kategorisierung
Die Fähigkeit, Klassifikationen durch Diskriminierung verschiedener Eigenschaften
von Objekten, Ereignissen, Begriffen... vorzunehmen, indem identische oder gleichwertige
Klassen gebildet werden.

3-3 Überlegung
Die Fähigkeit, über den Gebrauch von Regeln der Sprache und des Sprechens zu überlegen
und zu urteilen.

4. Graphische Form

4-1 Das Lesen
Dies ist ein kommunikativer Akt.

4-2 Das Schreiben
Die Darstellung der gesprochenen Sprache mittels graphischer Zeichen. Es ist ein zweites
Signalsystem der Kommunikation im Vergleich zur Lautsprache.



1. Mai 1995
Madrid (Spanien)