Biap - Empfehlung 22.1
Prophylaxe der Schwerhörigkeit
Im Rahmen der Strategie der WHO „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000" schlägt das BIAP folgende Empfehlungen betreffend der Prophylaxe von Schwerhörigkeit vor. Es werden hierbei ausschließlich solche Ursachen der Schwerhörigkeit in Betracht gezogen, für welche vorbeugende Maßnahmen heute zur Verfügung stehen.
Die Schwerhörigkeit des Kindes
Sie kann dreierlei Art sein:
Sensorineurale Schwerhörigkeit
Schalleitungsschwerhörigkeit
Kombinierte Schwerhörigkeit
Die sensorineurale Schwerhörigkeit:
Genetischer Ursprung: Eine wirksame Vorbeugung besteht in der Vermeidung einer Ehe unter Blutsverwandten (auch wenn sie nur ein geringes Risiko darstellt). Entsprechende Umstände ergeben sich besonders in Bevölkerungen, die von der Außenwelt abgekapselt leben.
Infektionen (d. Viren, Bakterien, Parasiten) der schwangeren Frau (Ursache einer Embryopathie und Fötopathie) und des Kindes ist mittels hygienischer und gesundheitserzieherischer Maßnahmen sowie Impfungen vorzubeugen.
Die Intoxikation der schwangeren Frau (Ursache einer Embryopathie und Fötopathie) und des Kindes sind hauptsächlich medikamentös und/oder unfallbedingten Ursprungs. Die WHO sollte eine Liste solcher Stoffe fortlaufend führen und veröffentlichen. Diese toxischen Mittel sollten für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden.
Mangelernährung und Avitaminosen der schwangeren Frau und des Kindes sind zu vermeiden. Eine entsprechende Erziehung sowie Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen sollten intensiviert werden.
Physikalische Untersuchungsmethoden (z. B. Röntgenstrahlen) sollen nur mit Vorsicht angewandt und mit regelmäßig kontrollierten Apparaten durchgeführt werden.
Frühgeburten begünstigen eine Schwerhörigkeit oder andere zentrale Schäden durch Asphyxie. Entsprechenden Zuständen muß vorgebeugt werden.
Vorbeugung vor Geburtstraumata
Vorbeugung vor neonataler Anoxie
Durch Aufklärungsmaßnahmen sollte kindlichen Unfällen, insbesondere Kopftraumen vorgebeugt werden.
Akustische Traumen des Kindes aufgrund übermäßiger Lärmexposition sollten vermieden werden.
Schalleitungsschwerhörigkeit:
Sie wird bedingt durch:
Kongenitale Mißbildung des äußeren oder/und des Mittelohres. In den Fällen einer beidseitigen Mißbildung sollte so schnell wie möglich nach der Geburt ein Knochenleitungshörgerät angepaßt werden. In den Fällen einer einseitigen Mißbildung sollte regelmäßig das Hörvermögen des gesunden oder anscheinend gesunden Ohres kontrolliert werden. Eine Anpassung eines Hörgerätes auf dem gesunden Ohr erfolgt im Falle einer sich entwickelnden Schwerhörigkeit.
Traumata
Häufigste Ursache sind rezidivierende Mittelohrentzündungen mit nachfolgenden länger anhaltenden seromukösen Paukenergüssen. Aufgrund ihres Einflusses auf die Hör-/Sprachentwicklung ist eine Behandlung dieser Zustände erforderlich.
3. Die kombinierte Schwerhörigkeit:
Hierbei kann es sich, um die Verschlimmerung einer sensorineuralen Schwerhörigkeit durch eine zusätzliche Schalleitungskomponente handeln.
Die Vorbeugungsmaßnahmen entsprechen denjenigen der sensorineuralen und der schalleitungsbedingten Schwerhörigkeiten.
Die Schwerhörigkeit des Erwachsenen
Sie kann ebenfalls dreierlei Art sein:
Sensorineurale Schwerhörigkeit
Schalleitungsbedingte Schwerhörigkeit
Kombinierte Schwerhörigkeit
Die Schwerhörigkeiten beim Erwachsenen können die gleichen Ursachen haben wie beim Kind. Häufig sind es auch Schwerhörigkeiten, die in der Kindheit erworben wurden.
Die Altersschwerhörigkeiten sollen unabhängig von ihrer Ursache durch eine frühzeitige Hörgeräteanpassung versorgt werden, damit bei älteren Menschen eine Entwöhnung von Umweltgeräuschen vermieden wird.
Akustische Traumata:
a) Berufsbedingt:
Die Prophylaxe besteht in einem Kampf gegen den Lärm am Ort der Entstehung und in der zur Verfügungstellung individueller Schallschutzmaßnahmen. Die Prophylaxe besteht ebenfalls in der Überwachung der Arbeiter mittels Hörprüfung bei und während der Beschäftigung, gefolgt durch entsprechende Schallschutzmaßnahmen.
Bedingt durch Umweltschäden:
Die Belastung durch übermäßigen Lärm ist zu vermeiden. Das Tragen von Schallschutzgeräten wird empfohlen und ist teilweise gesetzlich vorgeschrieben.
Barotraumata und andere Ohrtraumen („Blast", Verbrennungen usw.) bedürfen einer entsprechenden Vorbeugung.
Schädeltraumata sollten durch intensivere Aufklärung entgegengewirkt werden.
Eine Otosklerose des Stapes und der Cochlea ruft eine progrediente Schwerhörigkeit hervor, die so früh wie möglich erkannt und behandelt werden sollte.
Zentrale Schwerhörigkeit: Die Ursache von zentralen Schwerhörigkeit, insbesondere Tumoren müssen so früh wie möglich entdeckt und behandelt werden.
Nebenbemerkungen:
Für die Prophylaxe der Schwerhörigkeit sind erforderlich systematische HNO-ärztliche Untersuchungen mit Entfernung von Ceruminalpfropfen sowie regelmäßiger audiometrischer Untersuchungen, insbesondere bei speziellen Risikogruppen (siehe oben).
Agno, 02.05.1989